Vom Geld zu Target2 Salden

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Vom Geld zu Target2 Salden

August 31, 2020 Uncategorized 0

Viele Menschen diskutieren über Handel, Geld und Target2 Salden, ohne wirklich zu wissen, über was Sie da sprechen oder schreiben. Denn schon allein der in fast jedem Alter, in fast jedem Winkel der Welt übliche und vorhandene Begriff „Geld“ ist gar nicht so einfach zu verstehen und zu erklären. Ich mache hier mal einen Versuch, den großen Bogen von der Entstehung des Handels über die Bedeutung des Geldes und Überweisungen hin zu den Target2 Salden zu spannen. Und das so einfach, dass ich es auch selbst verstehe.

Handel ist die Grundlage

Hier soll es doch um Geld gehen!? Der erste Titel ist aber Handel? Ganz einfach: Ohne Handel, genauer ohne den zeitlich, dinglich oder ortsverschobenen Tausch von Waren oder Dienstleistungen gäbe es kein Geld: Es wäre schlicht nicht nötig.

Vor dem Handel

Ein Ausflug in die Geschichte der Menschwerdung! Irgendwann vor Zwei Millionen Jahren oder so begann die Fortentwicklung der Tierart, die wir heute als Menschen bezeichnen. Grobe Unterteilung: Wenn Du diesen Text hier liest, gehörst Du dazu! Ich rechne nicht damit, dass Du ein Gepard oder ein Adler bist, auch wenn Deine Augen optimal für das Lesen wären. Das wichtigste Werkzeug war damals der Feuerstein, daraus und damit konnte man alles formen, was man damals brauchte. Kurzen Stock dran: Messer. Längeren Stock dran: Pfeil. Langen Stock dran: Speer. Und schon konnte man aus anderen Tieren Nahrung machen – und aus Feinden Trinkgefäße.

Selbst der Feuerstein an sich war reichlich vorhanden. Es gab zu dieser Zeit somit nichts, was rar und begehrt war – außer vielleicht (wie heute) Frauen. Aber das regelten dann die Hormone oder notfalls eine Keule.

Beginn des Handelns

Somit beginnt der erwähnenswerte Teil der Geschichte des Handel(n)s erst mit dem Sesshaftwerden so vor +/- 8.000 Jahren. Das ist nicht umsonst der Beginn der modernen Geschichtsbildung wie z.B. der Bibel. Mit dem Einsetzen von Ackerbau und Viehzucht stieg der Bedarf von Gütern rapide an. Ackerpflüge, Tiere (oder andere Menschen), die diesen ziehen, Saatgut, wenn das eigene verdorben war, Holz und dessen Bearbeitung: Dies ist gleichzeitig die Zeit der Spezialisierung, der Beginn des Handels, des Austauschs von Waren und Wissen, – überhaupt die Bildung von Eigentum & Wissen über die Wirkung von Heilkräutern und Fundstellen von Tier & Wasser. Chinesische Hochkultur, die Ägypter, die Bibel, Ackerbau und Viehzucht, Sprachfamilien: Alles hängt mit dem Sesshaftwerden in dieser Periode zusammen. Kein anderer Kulturwandel in den Millionen Jahren Menschwerdung zuvor brachte solche Umwälzungen in dem sozialen Gefüge der Menschheit hervor.

Einfacher Tauschhandel

Während der Entwicklung seiner Landwirtschaft braucht Hr. Habicht einen Ackerpflug, hat aber nur Hühner. OK, das geht noch: 10 Hühner für einen Ackerpflug an den Hr. Schreiner. Fertig. Das ist noch tauschbar. Das mit dem Pflügen klappte ganz gut. Hr. Habicht säte und erntete, und mit dem Korn ernährte er noch mehr Hühner. Er hatte nun so viele Hühner und Gerste, dass er diese nicht selbst verbrauchen konnte. Er wollte nun etwas herstellen, was im Nachbardorf „Bier“ genannt wurde. Historikern zufolge der wichtigste Grund für die Landwirtschaft und damit Sesshaftwerden. Dazu brauchte er aber auch noch Tontöpfe und Gärkrüge und allerhand anderes Zeug. Diese erzeugte der Hr. Töpfer. Der hatte aber schon genug Hühner. Der Hr. Gerber hatte noch nicht genug Hühner, aber der erzeugte keine Töpfe. Und Felle & Schuhe hatte der Hr. Habicht schon genug.

Der Gerber brauchte Hühner und bot fertigte Kleidung.
Der Habicht hatte Hühner und benötigte Töpfe.
Der Töpfer benötigte Kleidung und bot Töpfe.

Töpfe und Hühner waren, wenn sie zum Tauschen dienten, „Naturalgeld“, eine Vorstufe des mehr abstrakten Münzgeldes.
Handeln ist also das Tauschen von Gütern, die man zu diesem Zeitpunkt weniger dringend benötigt, in Güter, die man jetzt oder in der Zukunft dringender benötigt. Die zeitliche Verschiebung („Später braucht“) hielt Einzug in den Handel.

Komplexerer Tauschhandel

Es wurde somit kompliziert. Wie sollten die drei für alle zufrieden stellend Hühner, Töpfe und Kleidung tauschen? Hühner konnte jeder machen, die waren somit nur dann wertvoll, wenn man gerade welche brauchte. Sie waren nicht zu jeder Zeit wertvoll! Töpfe benötigten viel Arbeit, Zeit und Vorarbeit. Holz & Lehm mussten beschafft werden, Lehm musste zu Ton veredelt werden und zu Töpfen und Krügen geformt werden, um dann im Feuer gebrannt zu werden. Lehm als solcher war nicht wertvoll, er lag überall herum. Aber wenn er von jemandem zum Töpfer hingebracht wurde, wurde dieser Lehm wertvoll. Die Arbeitszeit des Töpfers war aber schon zu wertvoll, um sie mit so niederen Arbeiten wie Holzsuche und Lehmabbau zu verschwenden. Fertige Töpfe brachten durch ihre hohe Fertigungsstufe viele Hühner, Holz sammeln und Lehm abbauen nicht. Man konnte nun die Hühner in kleinere Teile zerlegen: In Eier. Die waren aber wiederum nun nur sehr wenig wert. Und ein halbes Huhn war nicht so gut haltbar, jedenfalls nicht bis zum ersten Kühlschrank. Außerdem wäre es praktisch, wenn man Hühner konservieren und auf diese Weise ansparen könnte. Auch hier fehlte wieder der Kühlschrank. Die Menschheit brauchte „etwas“, mit dem Handel zeitverschoben werden konnte. Also konnte man jeden Monat 100 Hühner einfrieren und am Jahresende 1.200 Hühner gegen einen Metallpflug eintauschen. Den Metallpflug gab es nicht im eigenen Dorf, sondern nur im Nachbardorf. 1.200 Hühner lassen sich nicht so leicht in das Nachbardorf bringen und der Schmied dort braucht auch keine 1.200 Hühner auf einmal. Der Handel wurde nun langsam auch noch ortsverschoben benötigt. Und der Schmied brauchte nicht tausende von Hühnern, sondern Eisenerz und Holzkohle. Der Handel musste auch gutverschoben funktionieren, es brauchte eine Umrechnung zwischen Schuhen, Eiern, Holzkohle, Eisenpflügen und Tontöpfen. Ein Zwischentauschmittel! In allen Kulturen entstand daher mit der Viehzucht und Landwirtschaft auch irgend eine Form des Geldes. Es gab auch Geld, welches „an sich“ keinen Wert hatte, wie z.B. Muscheln. Doch selbst hier erfolgte eine Vorbearbeitung, die das Geld zusammen mit seiner Herkunft knapp machte. Denn „Geld“ als Zwischentauschmittel funktioniert nur, wenn das Geld als solches ebenfalls knapp ist! Laub und Steine können daher nicht als Geld funktionieren.
Erst ein Zwischentauschmittel erlaubte das Entstehen von feinerer Arbeitsteilung. Am Beispiel eines Hufeisens: Hierfür muss zuerst ein recht nutzloser Rohstoff -Eisenerz- unter hohem Aufwand aus dem Berg geholt werden. Dazu müssen Bäume mit viel Arbeit in (Holz-)kohle verwandelt werden. Und jemand muss aus -in dieser Form- recht nutzlosem Ton einen (Hoch-)Ofen bauen. Erst das Eisenerz zusammen mit der Kohle in einem Ofen ergab das nutzbare Eisen. Wie sollten die einzelnen Rohgüter sinnvoll gegeneinander getauscht werden? Zur Erinnerung: Weder Eisenerz noch Ton lassen sich essen oder trinken. Lediglich Kohle (bzw. dessen Vorstufe Holz) erfüllten ein Grundbedürfnis (das nach Wärme). Erst durch ein Zwischentauschmittel konnte ein Bergarbeiter durch seiner Hände Arbeit Hühner und Heizmaterial anschaffen.
Zwischentauschmittel erlauben es, ein derzeit weniger dringend benötigtes Gut in ein anderes, meist kompakteres, in der Regel langlebigeres Produkt umzutauschen. Und dieses kompakte, langlebigere Produkt später an diesem oder einem anderen Ort in ein dann benötigtes, echt nutzbares Gut zurückzutauschen.

Entstehung des Geldes durch komplexen Handel

Geld durfte nicht von alleine entstehen, sonst ist es als Zwischentauschmittel ungeeignet: Nach dem Eintauschen bräuchte es kein anderer mehr. Daher sind knappe, nur mit Aufwand gewinnbare Rohstoffe eine gute Basis für Geld. Gold & Silber sind dafür daher sehr gut geeignet: Um Gold oder Silber zu „erzeugen“ ist sehr viel Aufwand von Nöten. Mehr als bei den anderen Stoffen wie Holz, Gerste, Kupfer… Dieses Material hat also, wie Holz- oder Metallpflüge, bereits einen in sich enthaltenen Wert. Gold & Silber waren dazu noch langlebig und glänzend, was diese Stoffe in vielen Kulturen als allgemeines Tauschmittel etablierte. Es gab aber auch Kulturen wie die Maya, die Gold nur wegen des Aussehens mochten, es hatte sonst keinen Wert für Sie. Nachvollziehbar: Man kann Gold nicht essen oder trinken, für Werkzeuge ist es zu weich. Es gibt nur wenige echte technische Anwendungen für Gold.
Daher benötigt Gold (auch vom Wortstamm her der Ursprung für Geld) einen allgemeinen Konsens, um als Zwischentauschmittel zu funktionieren.
Wenn es aber diesen Konsens gab, waren Gold und Silber ideal: Sie waren schwer zu erzeugen. Wenn sie erzeugt waren, verloren sie ihre Eigenschaften nicht, sie wurden in ihrem gesamten Kulturkreis akzeptiert. Gold & Silber konnten also zeitverschobenen und ortsverschobenen Gütertausch als Zwischentauschmittel ermöglichen. Sie waren als solches nicht zu fälschen, entstanden also nicht von alleine. Pyrit, welches optisch nur schwer von Gold zu unterscheiden ist, wurde natürlich gerne oder auch unwissentlich als Goldersatz genutzt. Wenn dies wissentlich geschah, so war es Betrug und Fälschung. Wenn es unwissentlich geschah, erzeugte es einen Wertverlust. Beides Probleme, die Geld bis heute anhaften. Übrigens ist es dieser inhärente (darin enthaltene) Wert, der Gold und Silber von dem üblichen Papiergeld unterscheidet. Wobei man diesen auch nicht überbewerten darf: Der effektive Nutzen von Gold und Silber ist dem von Kupfer und Eisen zu vergleichen, nur dass Gold und Silber noch seltener sind und daher schwerer zu gewinnen. Dafür auch weniger zu gebrauchen. Außer -von der Sache her- wertlosem Schmuck. Dieses Prinzip, ein Zwischentauschmittel durch die darin enthaltene Arbeit „rar“, also selten zu machen, ist auch das Grundprinzip der Bitcoins, nur dass diese absolut keinen mit ihnen verbundenen inhärenten Wert haben. Bitcoins verbinden also den Nachteil von Gold (Die „Erzeugung“ bedingt harte Arbeit) mit dem Nachteil von Papiergeld (Prinzip Hoffnung).

Ein Produkt, welches als Zwischentauschmittel „Geld“ funktionieren soll, darf nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen und darf nicht ohne Aufwand erzeugt werden, sonst verliert es die Eigenschaften „knapp“ und „langlebig“. Es verliert seine Eigenschaft, die es als Zwischentauschmittel unabdingbar benötigt.

Unpraktisches und praktisches GoldGeld: Münzen

Gold und Silber waren schwierig zu benutzen. Sie mussten verwogen und geprüft werden, ihr Gegenwert in Hühnern und Pflügen musste an jedem Ort und zu jeder Zeit neu bewertet werden. Direkter Tausch von Gütern begleitete den Handel daher bis in die Neuzeit.

Geld (in welcher Form auch immer) hatte schon von Beginn an genau diese Eigenschaften: Es konnte transportiert werden und zu (nahezu) jeder Zeit und an (nahezu) jedem Ort in etwas (aus eigener Sicht) Nützliches getauscht werden. Um es aber für diesen Zweck zu erhalten, musste man selbst erst etwas dafür geben. Als Minenarbeiter oder Silber/Goldschürfer seine Zeit und Arbeitskraft, als Bauer oder Viehzüchter seine Ernte oder sein Vieh. Dies erkannten Herscher (sozusagen die Arbeitgeber von früher) sehr früh und brachten das Geld unter ihre Kontrolle. Auch umgekehrt: Wer das Geld kontrollierte, beherrschte auch die damit verbundene Gesellschaft. Wer das Zwischentauschmittel erzeugte (z.B Goldschürfer), musste es daher an den Herrscher abgeben. Um zwischen diesem „autorisierten“ und „unautorisierten“ Silber/Gold oder aus anderem Material bestehenden Universalgeld ein durch Herrscher kontrolliertes Geld zu machen, wurde das Material „vermünzt“. Es wurde dabei ab ca. 1.000 vor Christi in Formen gebracht, die den Wert auch für Laien erkennbar machte: Münzen. Mit der Normierung dieser Münzen in große und kleine Werteinheiten gelang Pheidon ca. 700 vor Chr. der ganz gang große Wurf. Nun konnte sogar Geld als Zwischentauschmittel in andere Zwischentauschmittel getauscht werden! Spätestens ab diesem Zeitpunkt offenbarte Geld auch seine schlimmste Schattenseite: Es korrumpiert. Wer Geld unautorisiert erzeugte (Geldfälscher) oder sich aneignen (Dieb) konnte, wer den Wert von Geld erhöhen oder verringern konnte (Münzwechsler), konnte sich selbst auf Kosten der Gemeinschaft einen Vorteil erschaffen. Mord dürfte es geben, seit Emotionen Einzug in die Menschwerdung hielten. Vermutlich seit Millionen von Jahren. Auch die Nahrungsmittelgewinnung aus Lebewesen ist letztendlich auch erst einmal nichts anderes als Mord. Aber „niedere Beweggründe“ sind halt doch eine Nummer höher, dazu muss man schon Mensch werden. Diebstahl dürfte überhaupt erst seit der Bildung von Eigentum mit (dem Sesshaftwerden) eine Bedeutung erlangt haben. Denn ohne Eigentum kann auch keine unerwünschte Eigentumsübertragung stattfinden. Aber erst die Erfindung des Münzgeldes erlaubte es, im ganz großen Stil durch die Übervorteilung von Mitmenschen sich selbst zu bereichern. Betrug, Drogenhandel, Prostitution, Gewalt & Mord aus Gewinnsucht: Alles brauchte erst ein kompaktes, leicht zu sammelndes und transportables Zwischentauschmedium. Daher fällt auch ihre „Erfindung“ mit der Entwicklung des Geldes zusammen.
Rache, Völlerei und Geld: viel mehr dürfte es nicht geben, was uns vom Tier unterscheidet.

Münzen als standardisiertes, leicht zu handhabendes Zwischentauschmittel revolutionierten den Handel – und die Schattenseiten unserer Existenz. Nun konnte alles in alles getauscht werden – auch mit zeitlicher oder räumlicher Verschiebung.

Geldtransport

Erst die Transportierbarkeit von Geld und die Standardisierung von Münzen ermöglichte höhere Formen der Staatenbildung und Arbeitsteilung. Ein Schmied hätte in der Steinzeit nicht von seiner Arbeit leben können. Obwohl Eisen als ein Spurenelement ein wichtiger Nahrungsbestandteil ist, ist ein Hufeisen als solches doch eher schwer verdaulich. Und eine Eisenkugel im Herzen ist eindeutig eine Überdosierung, wie sich an dem folgenden, sich recht schnell einstellenden Lebensende klar ablesen lässt. Auch wenn es bereits im Tauschhandel Arbeitsteilung gab, so brachte erst die Einführung des Geldes die Möglichkeit, als Schmied Geld für ein Hufeisen zu nehmen und dieses Geld dann in Hühner und Milch zu tauschen.
Genau dieses Tauschziel wird übrigens in der Wirtschaftslehre (Wirtschaftsleere) sehr gerne vergessen: Egal ob wir Geld gegen Lippenstifte, Autos oder Schmuck tauschen: Am Ende benötigen wir (wir alle, egal ob Bänker, Autoverkäufer, Schmied oder Mörder) immer landwirtschaftliche Produkte, um uns an Lippenstifft, Autos oder Schmuck zu erfreuen. Welch Ironie, dass wir -nach mehreren Tausend Jahren Geldgeschichte- am Ende noch immer von Hühnern und Gerste abhängig sind.

Die Transportierbarkeit von Geld aber ermöglichte nun so coole Erfindungen wie Arbeitsteilung – auch über lange Distanzen, Steuern, Handfeuerwaffen (diese helfen auch -indirekt- bei der Geldbeschaffung), exotische Speisen und jede Form von Prostitution und Ausbeutung wie z.B. bezahlte Arbeit in Fabriken. Gerade die -erst durch die Arbeitsteilung ermöglichte- Erfindung von immer neuen Waffen in Verbindung mit reisendem Geld sorgte dummerweise auch dafür, dass ungewünschte Eigentumsübertragungen eine Gefahr für eben jeden Reisenden wurden, sei er Steuereintreiber oder normaler Händler.

Übergang zum Buchgeld

Die wichtigste Eigenschaft des Geldes, die ort- und zeitabhängige Tauschbarkeit in erwünschte Leistungen und Güter, war auch -mit steigender Mobilität- seine größte Gefahr. Es war damals wie heute einfach gefährlich, mit etwas wertvollen durch die Gegend zu reisen. Buchgeld als solches gab es schon in der Zeit um Christi. Geld konnte an einem -hoffentlich- sicheren Ort deponiert werden. Dafür bekam man einen wertlosen Zettel mit der darauf notierten Geldmenge. Später konnte man -an diesem Ort!- diesen wertlosen Zettel wieder gegen das deponierte Geld eintauschen. Es gibt aus dieser Zeit wohl keine Aufzeichnungen, aber es kann davon ausgegangen werden, dass es auch damals schon Versuche gab, das nützliche Geld von dem unnützlichen Zettel fern zu halten: Sicherlich gab es auch damals schon so etwas wie die Lehmann Brothers oder Wirecard und andere Finanztransakteure.


Aller bisher aufgeführter Handel setzte voraus, dass die beteiligten Tauschgüter an einer Stelle („Markt“) aufeinander trafen.
Wenn ein Venezianer Pfeffer verkaufen wollte, so musste irgendjemand für ihn nach Indien gehen, dort Pfeffer gegen irgendetwas (notfalls auch das Leben des armen Pfefferanbauers, aber das war nicht nachhaltig) tauschen, und mit dem Pfeffer zurück nach Venedig kommen.
Schauen wir uns den Handel mal ab dieser Stelle genauer an.
Pfeffer kommt „irgendwie“ in Venedig an, dem damaligen Tor zur Welt, und gehört ab jetzt dem Pfefferimporteur.
Dieser Pfefferimporteur kann aber gar nicht 25 große Säcke Pfeffer gebrauchen! Er stellt den Pfeffer also auf einen Marktplatz (er „bietet ihn an“). 25 Pfefferhändler wittern ein Geschäft, und erwerben (tauschen Geld gegen Ware) jeweils einen Sack.


Bitte an dieser Stelle nicht nachdenken, warum jemand diese 25 Säcke nach Venedig gebracht hat, und woher das Geld dieser Händler stammt. Natürlich waren hier auch schon Geld und Handel im Spiel.

Nun ziehen diese Händler über die Länder und bieten ihrerseits wieder diesen Pfeffer anderen Händlern (=Wiederverkäufer) und Endkunden (Nutzer, Verbraucher) an. Sie geben Pfeffer ab und nehmen dafür Geld ein.
Wenn der Pfeffer alle ist, gehen sie wieder nach Venedig, haben nun hoffentlich mehr Geld als zuvor und kaufen für einen Teil des Geldes wieder neuen Pfeffer von dem Pfefferimporteur. Von dem übrigen Geld kaufen sie Schmuck oder bauen Schiffe, um selbst Pfeffer zu importieren, oder versaufen und verhuren es in der nächsten Spelunke. So entstehen lauter neue Geldkreisläufe.

In allen Fällen aber trafen auf den Märkten Geld auf Waren oder Waren auf Geld. Kein Geld = Keine Ware. Keine Ware = Kein Geld. Im Prinzip also noch das gleiche Tauschprinzip wie ca. 10.000 vor Christus.

Scheckverkehr / Überweisungen

Eine gänzlich neue Ära läuteten die Bankiers (von Bank, tatsächlich so ein Ding zum Draufsitzen) im Italien des 14. Jahrhunderts ein: Der Scheckverkehr. Während die Sesshaftigkeit sich noch über mehrere tausend Jahre verteilt in Eurasien und auf anderen Kontinenten durchsetzte, benötigten Zwischentauschgüter (irgendeine Form von Geld) schon nur noch wenige hundert Jahre, um sich in der damals bedeutenden Welt zu verbreiten.
Der Scheckverkehr benötigte die Post, schnelle Transportwege. Schnelle Transportmittel wiederum benötigten den Scheckverkehr.

Die Erfindung der unbaren Überweisung ist -naturgemäß- eng an die Entwicklung des Post- und Transportwesens gekoppelt. Und die Unbaren sind auch -bis heute- die abstrakteste Form von Handel.

Nehmen wir wieder den Pfefferhandel. Ein Hamburger Händler will einen Sack Pfeffer in Venedig erstehen und diesen dann (hoffentlich mit Gewinn) in Hamburg verkaufen. Den traditionellen Weg kennen wir nun schon: Er nimmt sich etwas GoldGeld von der Anrichte im Flur, ruft noch so etwas wie „Schatz, ich gehe schnell noch dahin, wo der Pfeffer wächst“, reitet nach Venedig, kauft auf dem Marktplatz einen Sack Pfeffer und reitet wieder zurück. Rechtzeitig zum Tatort. 2 Jahre später ist er wieder in Hamburg. Macht nichts, weder der Tatort als Fernsehserie noch der Fernseher selbst ist erfunden. In dieser Zeit kann er aber keine Seide in Florenz kaufen, da er und sein Pferd schon mit dem Pfeffer ausgelastet sind. Doof. Noch dööfer: Zwischendurch erwischt ihn ein Gauner, der aber so rein gar nichts vom Pfefferhandel versteht. Dieser zieht dem Hamburger Pfefferhändler mal eben mit der Keule einen neuen Mittelscheitel und ist dadurch um ein Pferd und um ein paar Goldmünzen reicher. Gut für den Wüstling, schlecht für den Pfefferhändler und seine Ehefrau.

Siegeszug des Scheckverkehrs

Das Postsystem in der Verbindung mit der Überweisung ermöglichte nun die Trennung des Zwischentauschmittelflusses und des Warenflusses. Der Hamburger Händler ging zu einer Filiale der Taxis oder eines anderen Bankhauses seines Vertrauens. Wichtig war nur, dass dieses Bankhaus eine Filiale in Venedig und eine Nachrichtenverbindung dorthin unterhielt. Dort sagte er mit fester Stimme: Ich möchte bitte diese 25 Golddukaten, den Gegenwert eines Sackes Pfeffer, nach Venedig überweisen. Er übergibt der Bank ebendiese 25 Golddukaten. Die Bank stellte ihm dafür einen wertlosen Zettel aus, auf dem irgendsoetwas wie „25 Golddukaten“ stand, dazu noch ganz irre komplizierte Stempel und Siegel und all so ein Zeug wie Absender, Empfänger und Zweck. Genauso wertlos. Noch.

Nun schickte er einen Knecht mit dem Pferd und diesem Zettel sowie zwei Bündel Hanseatischen Stoffes los. Für etwas Wein, Weib und Gesang gab er ihm noch ein paar Silberstücke mit auf den Weg. Zu wenig, um dafür getötet zu werden. Auch zu wenig, um einen Sack Pfeffer zu kaufen. Aber genug, um Pferd und Reiter bis nach Venedig zu ernähren. Zur Erinnerung: Egal wie reich oder arm wir sind: am Ende leben wir alle von landwirtschaftlichen Erzeugnissen unserer Bauern. Wasser konnte er damals noch in jedem Wald finden.
In Venedig angekommen ging der Knecht mit diesem -jetzt noch immer wertlosen- Zettel zu dem Pfefferimporteur. Wäre dieser Zettel vorher -wie auch immer- in falsche Hände geraten, so hätte der Hamburger vielleicht ein Pferd und/oder einen Knecht verloren. Aber kein -für Ihn- wesentlich wertvolleres Geld! Hier ginge es natürlich um den Gegenwert von vielleicht hundert Säcken Pfeffer, oder ganz andere wertvolle Handelsgüter.

Der Venezianische Pfefferimporteur kann nun mit diesem Zettel zur lokalen Bankfiliale gehen und diesen wertlosen Zettel in das von ihm begehrte Zwischentauschmittel „Geld“ eintauschen. Und damit dem Knecht den Sack Pfeffer und ein paar Silberlinge für die Heimkehr aushändigen. Dieser Pfeffer ist für die bösen Gesellen im Wald auch wieder wertlos, haben Sie doch i.d.R. kein Absatznetz, um den Pfeffer z.B. in Wein zu tauschen.

Der vorherige Absatz liest sich wie das natürlichste der Welt, weil wir damit groß geworden sind. Quelle (für die Jüngeren: Das ist so was wie Amazon auf Papier), Ebay, Amazon, ein Autokauf, Lohnüberweisungen: Ganz normal. Das ist es aber nicht. Bis zum 14. Jahrhundert mussten Empfänger und Anbieter zusammentreffen, um die Güter (oder Dienstleistung) gegeneinander auszutauschen. Ein Knecht ging zur Ernte auf das Feld und ging mit Brot und Wein von Dannen. Der Habicht ging mit seinen Hühnern zum Gerber, händigte ihm die Hühner aus und ging mit einem weichen Fell nach Hause. Der Handel mit Geld war im Prinzip auch nichts anderes, nur das halt erst das Huhn gegen Geld getauscht wurde, danach das Geld gegen Fell. Aber bei beiden Tauschvorgängen waren die beiden Tauscher zusammen am gleichen Ort zur gleichen Zeit.

Ortsunabhängiges Tauschen

Unbare Geldgeschäfte brachen diese Ortsabhängigkeit auf!
Bitte noch mal nachvollziehen: Das Zwischentauschgut Geld konnte nun -praktisch auf Zuruf- an irgendeinem anderen Ort innerhalb dieses Netzes einfach auftauchen! Quasi aus dem Nichts. Dieser Schritt ist der wichtigste beim Verstehen der Target2 Salden!

Überweisungen

Bisher wurde das traditionelle Tauschen beschrieben: Geber und Nehmer sowie beide Güter müssen sich an einem Ort treffen, um den Tausch vorzunehmen.
Bei Überweisungen wird das Zwischentauschgut NICHT bewegt! Es werden keine 25 Golddukaten von Hamburg nach Venedig geschickt! Dies ist eine neue Revolution im Handel, ähnlich der genormten Münzen oder der Sesshaftigkeit. Tauschgüter (nicht vergessen: Geld ist auch nichts anderes als ein Tauschgut!) können plötzlich von einem Quellenort A an einem Zielort B „erscheinen“, ohne dass sie sich real von A nach B bewegen.

Wie geht das?
Früher war das ein einfacher Taschenspielertrick: Das (Zwischen-)Tauschgut wird einfach in ausreichender Menge an beiden Stellen vorgehalten.
Wird nun in Hamburg dieser Zettel geschrieben, so passiert in Hamburg mit dem Zwischentauschgut Geld… Nichts. Gar nichts. Es bleibt einfach dort in der Truhe. Wohlgemerkt: In der Truhe der Bank! Und zu dieser Zeit passiert auch in Venedig mit dem dortigen Zwischentauschgut Geld… Nichts.

Erst wenn der Pfefferimporteur den Zettel an die dortige Bank gibt, und diese ihm aus der Venezianischen Goldtruhe 25 Golddukaten aushändigt: Erst in diesem Augenblick wird das Zwischentauschgut Geld am Zielort bewegt und verlässt diese Bank.

Zur Erinnerung: In der Goldtruhe in Hamburg hat sich zu diesem Zeitpunkt noch immer nichts bewegt! Obwohl die Venezianische Bankfiliale nun 25 Golddukaten an den Pfefferimporteur ausgehändigt hat, fehlt in Hamburg nicht ein einziger Dukate! Aber: Die Hamburger Bank schuldet der Bank in Venedig nun 25 Dukaten.

Auch Schulden und Zinsen kamen erst mit dem Geld auf. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

Wir bleiben noch einen Moment in Venedig. Der Knecht des Hamburger Händlers hatte auf seine Reise noch etwas von Hamburg mit nach Venedig gebracht: Zwei dicke Bündel Seidenstoff, die der Hamburger Kaufmann im Hamburger Hafen gekauft hatte. Diese zwei Ballen bot der Knecht auf einem Venezianischen Markt an, und siehe da: Ein Türkischer Händler kaufte ihm diese zwei Ballen ab. Für 26 Golddukaten. Wie es ihm sein Herr aufgetragen hat, brachte der Knecht nun diese 26 Golddukaten in die schon vorher besuchte Venezianische Bankfiliale. Dort händigte er die Geldstücke dem Zähler aus, welcher ihn daraufhin einen ähnlichen -wertlosen- Zettel für die Hamburger Filiale schrieb, wie auf dem Hinweg. Mit diesem Zettel, etwas Wechselgeld von dem Pfeffferimporteur und einem Sack Pfeffer reitete nun der Knecht wieder zurück nach Hamburg.

Als kleine Gedächtnisstütze:
In der Goldtruhe in der Hamburger Bank hat sich bis jetzt noch immer nichts getan! Kein einziger Golddukate ist dort rausgegangen. Die Bank in Hamburg hat noch immer die 25 Goldstücke vom Anfang in ihrer Truhe liegen.
In der Venezianischen Bankfiliale gingen 25 Golddukaten aus der Goldtruhe raus… und 26 Golddukaten wurden nur kurze Zeit später wieder in die Kiste reingetan. Die Venezianische Filiale hat nun einen Golddukaten mehr als am Anfang. Die Hamburger Filiale hat weder mehr noch weniger Golddukaten. Und der Hamburger Händler hat nun mit einem guten Geschäft Stoff in Venedig getauscht, gehandelt, verkauft. Und Pfeffer in Venedig eingetauscht/gekauft/gehandelt.

Der Knecht kommt an und übergibt nach seiner aufregenden, aber dank wertlosem Papier recht ungefährlichen Reise stolz dieses Papier und einen Sack Pfeffer an den Händler.

Der Händler nimmt das -noch immer wertlose- Stück Papier und trägt es zu seiner Bank. Die Bank erkennt Siegel, Stempel und Schriftzug ihrer Venezianischen Filiale und händigt dem Händler nun 26 Goldstücke aus.
25 Goldstücke hatte der Händler wenige Monate zuvor selbst zur Bank hingetragen. Die Hamburger Bank muss nun also nur ein einziges Goldstück aus ihrem eigenen Vorrat dazu legen, um dem Händler seine Goldstücke auszuzahlen.

Zum Auffrischen: In der Hamburger Bank fehlt nun ein Goldstück, die Venezianische Bank hat nun eines zu viel.
Der Türkische, der Venezianische und der Hamburger Händler sind zufrieden. Sie haben einen Ringtausch betrieben – wie vor 8.000 Jahren.
Insgesamt wurden dabei 51 Golddukaten bewegt: 25 für den Pfeffer und 26 für den Stoff. Effektiv musste lediglich die Hamburger Bank einen einzigen Golddukaten aus ihrem eigenen Vorrat aushändigen.

Buchgeld

Jetzt wird es ganz verrückt: Der Hamburger Händler entscheidet sich dafür, sich die ihm zustehenden 26 Golddukaten nicht auszahlen zu lassen. Er belässt sie einfach auf der Bank. Dafür gibt es ein kleines Büchlein, in dem drinsteht, dass ihm die Bank 26 Goldstücke schuldet. Er hat ein Guthaben auf der Bank, daher das H auf den heutigen Kontoauszügen und in der Finanzbuchhaltung, seit dem 15. Jahrhundert bis heute. Auch der Venezianische Händler war etwas verunsichert wegen den -für ihn gefährlichen- Golddukaten in seiner Schatulle. Auch in Italien soll es böse Schurken gegeben haben. Er bringt die 25 Golddukaten aus dem Pfeffergeschäft zufällig auf die gleiche Bank wo er sie auch vorher ausgezahlt bekommen hat.

Nun hat die Hamburger Bank 25 Golddukaten mehr in ihrer Goldtruhe als vorher (von dem Hamburger Händler für den Pfeffer).
Die Venezianische Bank hat nun 51 Golddukaten mehr in ihrer Truhe: Die 25 Golddukaten von dem Pfefferhändler und die 26 Golddukaten von dem Knecht, der Erlös aus dem Stoffballenverkauf.

Nun wird es Zeit für eine Bilanz (auch das Wort Bilanz kommt aus den Italienischen Wurzeln des Geldhandels):

Hamburger Händler:
-2 Stoffballen
+1 Sack Pfeffer
+ 1 Stück wertloses Papier auf dem steht, dass die Bank ihm 26 Golddukaten schuldet.

Türkischer Händler:
+ 2 Stück Stoffballen
– 26 Golddukaten

Venezianischer Händler:
– 1 Sack Pfeffer
+1 Stück wertloses Papier auf dem steht, dass die Bank ihm 25 Golddukaten schuldet.

Hamburger Bank:
+25 Golddukaten (ganz vom Anfang der Geschichte!)
-1 Stück Papier.

Veneziansiche Bank:
+26 Golddukaten
-1 Stück Papier.

„Im Prinzip“ hat nun jeder der Händler, was wer wollte: Pfeffer & Stoff ist jeweils korrekt angekommen. Effektiv haben nun aber 2 Händler für ihre Waren nur einen wertlosen Zettel bekommen. Die Banken haben, ganz ohne Pferd und Reiter und Gefahr, zusammen 51 Goldtsücke mehr in ihren Truhen.

Den nächsten Handel machen wir mal in Kurzform:

Hamburger Händler bekommt einen Zettel über 25 Goldstücke, schickt Knecht mit Stoff nach Venedig, dieser tauscht Zettel gegen Pfeffer, Stoff gegen 26 Goldstücke, 26 Goldstücke gegen Zettel, reitet zurück.

Die Venezianische Bank hat nun … 52 Golddukaten (und einen eigenen Vorrat). Die Hamburgerische hat weiterhin 25 Golddukaten (und einen eigenen Vorrat) in ihrer Truhe. Alle drei Händler sind wieder zufrieden. Diesmal wurde in der Hamburger Bank kein einziger Dukate bewegt! Die Venezianische Bank hat nun schon 52 Goldstücke.

Wir können diesen Handel weiter ausspinnen: Knecht wird überfallen, Pfeffer gestohlen. Händler müssen an die Bank Gebühren für diesen Service zahlen. Nachteil für die Bank? Keiner! Die beteiligten Banken haben noch immer die 77 Golddukaten + ein wenig Gebührengeld.

Das alleine ist schon unverschämt, wenn man es sich recht überlegt. Und doch ist genau dieses Unrecht die Basis von nahezu allen späteren Warentauschen: Die Bank gewinnt immer. Schon alleine bei diesen Geschäften, bei denen sie nur wertvolles Geld in wertlose Zettel tauscht.

Das reichte aber bei weitem noch nicht. Die beiden Banken haben sich jetzt zusammengesetzt und kurz überlegt:
Der Kunde gibt uns ja sein Geld, damit wir es nach Italien übertragen.
Zur Erinnerung: Das Geld selbst hat sich niemals von Hamburg nach Italien oder zurück bewegt!
Wenn sich aber das Geld doch gar nicht bewegt… dann brauchen wir es doch auch gar nicht!

Nun will der Hamburger Händler 3 Säcke Pfeffer kaufen. Er hat ein Guthaben von 25 Golddukaten auf seiner Bank. Er lässt sich einen Zettel von der Hamburger Bank ausfüllen, auf dem steht: 75 Golddukaten. Ein Zettel. Diese Zettel nannte man später Schecks, die älteren unter uns kennen diese noch.
Knecht nach Italien, OHNE Stoff.
Knecht geht mit Zettel zum Pfefferimporteur. Dieser gibt ihm 3 Säcke Pfeffer.
Knecht reitet nach Hause mit Pfeffer, Importeur gibt den Zettel auf die Bank.
Diese schreibt in ein großes Buch (Daher „Buchhaltung“): Wir schulden dem Pfefferimporteur 75 Golddukaten. Die Venezianische Bank hat noch immer 52 Golddukaten! Und ein Buch, indem steht, dass sie dem Pfefferimporteur 75 Golddukaten schuldet.

Und wieder sind alle glücklich! Die Hamburger Bank hat nun Forderungen gegen ihren Händler. Nachdem er den Pfeffer verkauft hat, gibt er seiner Bank die erlösten 75 Golddukaten (wenn er ein guter Händler ist, auch wesentlich mehr). Die Hamburger Bank hat nun 100 Golddukaten (und vielleicht etwas mehr). Die Venezianische Bank hat nun noch immer 52 Golddukaten und ein wertloses Buch mit dem Titel „Verbindlichkeiten“.
Die Banken haben das erste Geld geschöpft. Auf der Venezianischen Bank gibt es nun 75 Golddukaten als Buchgeld. Sie könnte es nie auszahlen, da sie ja nur 52 Golddukaten besitzt.
Zu diesem Zeitpunkt könnte nun aber noch die Hamburgerische Bank einspringen, denn sie hat ja die fehlenden Golddukaten in ihrer Truhe!

Geldschöpfung

OK, die beiden Banken haben -in der Summe- die gehandelten Golddukaten tatsächlich vorrätig. Aber… Sie brauchen sie gar nicht!

Nun kommt der Türkische Stoffhändler wieder und schlägt der Venezianischen Bank ein Geschäft vor: Er kennt da einen Händler aus Hamburg, der großartige Stoffe verkauft. Diese Stoffe kann er wirklich gut in seiner Heimat verkaufen, mit einem guten Gewinn (also einer Werterhöhung der gehandelten Güter: Aus dem Handel ergaben sich vieeele reiche Familien, Stände, Städte, Länder. Aber das ist ein anderes Thema). Er hat aber leider derzeit nicht genug Geld, um Stoffe bei dem Händler zu kaufen. Könne da die Bank nicht ein bisschen…?
Und die Bank kann. Die Venezianische Bank teilt der Hamburger Bank und der türkische Händler dem Hamburger Händler mit, das für 144 Golddukaten Stoffe gekauft werden sollen.
Der Hamburger schickt seinen Knecht mit 4 Ballen Stoff nach Italien. Die Hamburgerische Bank hat keine 144 Golddukaten! Sie hat ja nur die 100 Golddukaten von dem Hamburger Händler. Den einen Golddukaten vom Anfang haben sie inzwischen in Dekoration gesteckt, die Geschäfte laufen ja prächtig.
Die Venzianische Bank hat auch keine 144 Golddukaten! Sie hat nur die 72 Golddukaten der Vorherigen Geschäfte.
Und trotzdem findet das Geschäft statt. Der Knecht bekommt wieder einen Zettel, auf dem 144 Golddukaten steht, der türkische Händler die 4 Ballen Stoff. Vielleicht nimmt der Knecht auch noch eine hübsche Italienerin oder Pfeffer oder sonst etwas mit, das ist nicht mehr wichtig. Die Veneziansiche Bank hat nun Geld verborgt, welches sie gar nicht hat. Sie hat einen „Kredit“ gegeben. Stoff wurde von Hamburg nach Italien verkauft, ohne Geld oder eine andere Gegenleistung. Nur für einen Zettel. Kommt nun der Türkische Händler nach ein paar Wochen wieder aus der Türkei zurück, und gibt der Bank die 144 Golddukaten (und ein bisschen mehr, für die Zinsen), so hat die Venezianische Bank nun 144 + 72 = 216 Golddukaten! Die Hamburger Bank hat weiterhin nur ihre 100 Golddukaten. Die Bank hat zuerst 72 Golddukaten „erfunden“. Sie unterstützte eine Transaktion über 144 Golddukaten, hatte selbst aber nur 72, daher hat sie die fehlenden 72 Golddukaten einfach erfunden: Sie hat Buchgeld erschaffen.

An dieser Stelle kommen wir nun zu den Bankenverbindlichkeiten. Die Italienische Bank hat 72 Golddukaten, und dazu ein Zahlungsversprechen -eine Sicherheit- über weitere 72 Golddukaten von dem türkischen Stoffhändler.
Sollte nun der Hamburger Händler auf die lustige Idee kommen, sich sein Guthaben auszahlen zu lassen – das sind inzwischen 244 Golddukaten- , so hat die Hamburgerische Bank ein Problem: Sie hat ja nur 100 Golddukaten in ihrer Truhe. Die fehlenden 144 Golddukaten müssten erst von Italien nach Hamburg bewegt werden. Nur: Auch in Venedig liegen ja nur 72 Golddukaten! Die fehlenden 72 wurden ja einfach erfunden.

Wo jeder normale Mensch sich schon überlegt, legt ein Bänker nun erst richtig los!
De Fakto liegen ja in Hamburg noch immer 100 Golddukaten und in Venedig 72 Golddukaten. Also könnte die Bank als Ganzes doch noch einen anderen Kredit vergeben über -sagen wir mal- 172 Golddukaten. Sollten die nicht abgerufen werden, sondern nur als Kredit in den Büchern stehen, so könnten weitere Kredite über 172 Golddukaten vergeben werden. Das Buchgeld vervielfacht sich. Werden diese Kredite tatsächlich korrekt bedient, so hat die Bank am Ende die zuerst erfundenen 72 Goldduakten und die 3 zusätzlich vergebenen Kredite = 516 Golddukaten als echtes Geld in ihren Truhen.

Wie Berthold Brecht so treffend feststellte: Bankraub ist eine Unternehmung von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank. Menschen tragen ihr Geld sogar freiwillig in die Bank! Das ist aber nicht verwunderlich, denn sie sind für jede Form von zeit- oder gutversetztem Handel sinnvoll. Hätten wir keine Banken, so müssten wir sie erfinden.

Wem gehört dieses erfundene Geld?

Nun… das ist interessanterweise sogar egal! Es entstand aus dem Nichts, und genau so viel ist es auch wert: Nichts. Wird die Schuld korrekt von dem Schuldner beglichen, so ist der Saldo dieses erfundenen Geldes danach: 0. Es wurde aus dem Nichts erschaffen und verschwindet wieder im Nichts. Für die Bank bleibt am Ende nur der Zins, den sie auf das erfundene Geld erhebt. Das Buchgeld löst sich einfach wieder auf.

Wie kann eine Bank pleite gehen?

Sie könnte ja einfach weiter Geld „erfinden“. Das hat die Wirecard ja auch tatsächlich probiert. Aber das geht nicht so einfach. Geld ist immer eine Schuld. Geld existiert nur, wenn jemand eine Schuldverbindlichkeit eingegangen ist. Die Hühner wurden gegen Geld getauscht: Derjenige, der das Geld ausgegeben hat (oder später: Derjenige, der das Geld weiter gegeben hat) bürgt dafür, später etwas im Gegenwert der Hühner zurückzutauschen, sonst wäre das Geld wieder wertlos. Es lebt von diesem Vertrauen. Auch wenn es über hunderte von Ecken und tausende von Tauschvorgängen gewandert ist: Der Hühnerhändler muss sicher sein, am Ende wieder etwas im echten Gegenwert seiner Hühner zu erhalten. Verliert das Geld diese Eigenschaft, so verliert es seinen Wert als Zwischentauschmittel. Und Geld hat nicht mehr Wert als genau dieses. Daher sind ungedeckte Papierwährungen auch generell dem Untergang geweiht, wie Deutschland und Symbabwe mal wieder gezeigt haben. Übrigens nicht von Natur aus, sondern weil Staaten generell nicht haushalten können.

Was passiert, wenn der Hamburger nun aber wirklich die ihm zustehenden 244 Golddukaten haben will? In unserer Beispielrechnung händigen sie ihm die verfügbaren 144 Golddukaten aus und gehen pleite. Sie haben einfach nicht die fehlenden 72 Golddukaten, leiden also an einer Unterdeckung. Die Forderungen bleiben bestehen, so das „irgendjemand“ einmal die fehlenden 516 Golddukaten besitzen wird, und der Hamburger Händler trotzdem nun 72 Golddukaten weniger hat. Daher sind Banken „systemrelevant“ und werden von uns Steuerzahlern mit unglaublich viel Geld versorgt – zusätzlich zu den erfundenen 516 Golddukaten.

Gelderzeugung

Dieses Prinzip der einfachen Erzeugung von Geld war nun der nächste große Schritt: Früher musste das Zwischentauschmittel durch viel Arbeit „erzeugt“ (besser: gewonnen) werden. Dadurch wohnte dem Zwischentauschmittel bereits Arbeit inne, es besaß so etwas wie einen eingebauten (inhärenten) Wert, war von Natur aus knapp und begehrt, wobei das Begehren gerade bei Gold schon immer ein fiktiver Bedarf war: Man konnte kaum etwas Sinnvolles damit tun. Erst in der Neuzeit entstand ein Industrieller Bedarf an oxidationsarmen Metallen mit vielleicht auch noch super elektrischen Eigenschaften. Vorher war es – hübsch. Daher hatten die Azteken auch massig Gold, aber es war ihnen nicht viel Wert. Dumm, dass die Spanier das mitbekommen haben.

Herrscher entdeckten nun die sensationelle Möglichkeit, dass man Geld auch einfacher erzeugen kann: Man nimmt Papier, und schreibt eine Zahl darauf. Es fehlt hier, wie bei der Geldschöpfung der Banken, eine Leistung, die dahinter steckt. Nur: Man muss ja diesen Zettel erst einmal in Umlauf bringen! Ein Herrschersystem (Heute mit der gleichen Bedeutung: Staatensystem) musste sich für diesen Zettel Leistung erkaufen. Anders konnte dieser Zettel nicht in den Wirtschaftskreislauf eingebracht werden: Er hätte ja wieder keinen Wert, wenn man ihn einfach auf dem Marktplatz irgendjemanden in die Hand drückte. Dieser prinzipielle Nachteil von Papiergeld war den modernen Gelderzeugern durchaus bewusst. Daher war Geld oft ein Versprechen, z.B. dass man den Gegenwert der darauf geschriebenen Zahl umtauschen konnte in Gold. Jemand, der einen Zettel mit der Zahl 5 darauf hatte, konnte zum Herrschersystem (Staat) gehen und mit der gleichen lauten Stimme des Pfefferhändlers sagen: Ich hätte gerne 5 Golddukaten für diesen wertlosen Zettel. Der Staat hätte ihm daraufhin diese 5 Golddukaten aushändigen müssen… oder sollen.
Das wurde aber praktisch jedem Herrschersystem (Staatensystem) irgendwann zu doof: Warum sollte man denn irgendein Versprechen halten? So wurden nach und nach die Golddeckungen abgeschafft, und dieser Zettel war nun wirklich wertlos. Er war nichts als ein ungedeckter Kredit, ein Schuldversprechen ohne Haftung.
Staaten, die Papiergeld ausgeben, sind nichts anderes als Banken, die Geld erfinden. Ein Geldschein ist ein Kredit bei diesem Staat. Die Haftung des Staates beschränkt sich darauf, dass „irgendjemand“ in diesem Staatenverbund für diesen Zettel irgendetwas hergeben oder machen wird. Merke: Ein Staat als solcher kann gar nichts für diesen Zettel tun. Nur die Mitglieder dieses Staates können untereinander für diesen Wert bürgen. Papiergeld ist ein tauschbarer Kredit, per Definition. Daher mögen Staaten auch keine Geldfälscher: Diese pfuschen dem Staat in sein Handwerk. Sie machen nichts anderes: Sie erzeugen ein ungedecktes Wertversprechen aus dem Nichts. Diese -per se kriminelle Handlung- ist aber dem Herrschersystem „Staat“ vorbehalten. Auf diese Weise wird aus dem nutzlosen Papierzettel wieder ein knappes Gut, die Basis für ein Zwischentauschmittel.

Damit kommen wir endlich in die Neuzeit:

Target2

Wenn Dir die Eigenschaft des Buchgeldes („Zettel“) und der Geldschöpfung („Erfinden von Geld“) nun klar ist, ist es nur ein kleiner Schritt zum Verständnis von Target2.
Target2 ist in unserem Beispiel nichts anderes als die Nachricht der Venezianischen Bank an die Hamburgerische Bank: „Du, wir schulden Dir noch 144 Golddukaten“.

In einem funktionierendem Geldkreislauf würde sich nun auch z.B. wieder der Pfeffer bewegen und dadurch diese Schulden über 144 Golddukaten wieder verringern. Oder Italien fährt echt mal eine Truhe mit Golddukaten nach Hamburg. Das gibt es aber nur in unserer Modellrechnung und in Träumen.
Im Europäischen Geldkreislauf ist es allerdings so, dass Waren -vor allem aus Deutschland und Österreich- gekauft werden von Ländern wie Griechenland, Spanien und Italien. Diese Länder haben keine Golddukaten. Sie sagen ihrer Zentralbank: Wir schulden Dir ein paar Milliarden Golddukaten. Und die Deutsche Zentralbank sagt: OK, lasst euch Zeit. Es findet Geldschöpfung, also das Entstehen von Buchgeld, statt. Einfacher ausgedrückt: Es wird Geld gedruckt.

Da die Schulden der Europäischen Länder ohnehin nicht (mehr) tilgbar sind, auch nicht von unseren Kindern oder Kindeskindern, macht das auch wirklich nichts aus. Der Euro ist schon jetzt zu seinem eigenen Untergang verdammt. Kaufmännisch ist das natürlich der GAU, den eine Währung einnehmen kann. Das sollte uns aber nicht zu sehr beunruhigen: Bisher ist noch jede ungedeckte Währung (auch das ist wieder ein extra Thema) den Bach runtergegangen, und beim Euro hat man diese Selbstzerstörung einfach direkt in die Währung miteingebaut.
Dies unterscheidet den Euro aber nicht von anderen ungedeckten Währungen: Jede ungedeckte Währung ist ein Kredit des Staats gegen seine Bürger – verbürgt und tilgbar durch die Bürger selber. Somit hängt der Wert einer Währung von der Leistung seiner Bürger und dem Haushalten des entsprechenden Herrschersystems ab. Und da -das lernen wir aus der Geschichte- Staaten auf Dauer niemals gut wirtschaften, ist jede Staatenwährung auf Dauer dem Verfall preisgegeben. Banken unterscheiden sich hier nicht von Staaten.

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